Dienstag, 17. Juli 2018
Der Faschismus beginnt nicht mit Worten,
er beginnt mit Zensur. Es fand in den letzten Jahren eine eigentümliche Pervertierung unserer Werte statt. Um eine zunehmend verkrustete Demokratie vor vermeintlichen Gefahren zu schützen, bedient man sich gefährlicher, antidemokratischer Methoden.

Wobei auch die herbeigeredeten Gefahrenszenarien, die konstruierten Feindbilder, z.B. ein diffuses "Rechts" dem - wie seinerzeit den Hexen, den Juden usw. - alles Böse in der Welt angedichtet wird, bereits faschistoide Zügen aufweisen. Nur Diktaturen benötigen Feindbilder.

Maulkorb - Zensur


Rassismus, Imperialismus, Nationalismus, Kolonialismus,

das alles war niemals ein Alleinstellungsmerkmal des Faschismus. Sämtliche Völker der Welt, insbesondere natürlich die erfolgreicheren, huldigten dem. Teilweise heute noch. Der älteste überlieferte Rassismus ist der der Ägypter gegen die Juden. Aber auch die Juden selber sahen sich als „auserwähltes Volk“, was immer das heißen soll. Japaner und Chinesen machen bis heute überhaupt keinen Hehl daraus, dass sie sich zumindest kulturell überlegen wähnen.

Englische Wissenschaftler (nicht deutsche, geschweige denn "Faschisten") entwickelten Theorien von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ und entwarfen Modelle der Eugenik, die auch den alten Griechen, immerhin den ERFINDERN der Demokratie, seinerzeit nicht fremd waren. Viele angesehene britische Autoren huldigten ganz unbefangen diesen Ideen: George Bernard Shaw, Julian Huxley, D. H. Lawrence, H. G. Wells und nicht zuletzt Rudyard Kipling. Selbst die Inder griffen diese Theorien auf, sahen dann aber sich selbst (und das teilweise bis heute) als den Ursprung der Kultur, der Zivilisation, der „wahren Arier“. Ex Oriente Lux.

Und nicht einmal die kommunistische Sowjetunion war von Rasse- und Eugenikgedanken frei.

Der russische Genetiker Alexander Serebrowski (1892 - 1948) erforschte die Möglichkeiten der Eugenik zur Vervollkomnung der sozialistischen Gesellschaft und propagierte die Anwendung neuester Techniken der künstlichen Befruchtung zur Züchtung von sowjetischen Supermenschen. In Stalin fand er einen interessierten Zuhörer und Förderer, auch wenn seine Pläne angeblich nie in die Tat umgesetzt wurden.

Fazit: Rassismus führte nicht automatisch zu Faschismus, sondern im Gegenteil. Die überwiegende Mehrzahl der Staaten fand, trotz ausgeprägtem Rassismus, zu Demokratie und Menschenrechten. Der freie, offene, wissenschaftlich geprägte Dialog ermöglichte es überhaupt erst, von den ursprünglichen Eugenik-Ideen Abstand zu nehmen. Es war die offene Diskussionen, die unbeeinflusste wissenschaftliche Erforschung, die letztlich die Überwindung ermöglichte.

Ähnliches könnte man über den Nationalismus sagen.

Es war der Nationalismus, der überhaupt erst Demokratien ermöglichte. Das Bewusstsein einer nationalen Identität, das Ziehen von Grenzen gegenüber anderen Völkern - räumlichen und kulturell - war die Grundvoraussetzung, um Rechtsstaaten und demokratische Regierungen zu ermöglichen. Es gab nicht zuerst Demokratie und Menschenrechte, die dann durch fiesen Nationalismus zerstört wurden, es war genau umgekehrt. Demokratische Systeme und Menschenrechte funktionieren überhaupt nur, und das bis heute, innerhalb nationaler Grenzen.

Natürlich versucht man, auch internationale Gesetze und Regeln zu formulieren. Aber hält sich irgendjemand daran? Und kann man irgendetwas dagegen tun, wenn sich letztlich niemand daran hält? Außer sich regelmäßig ein bisschen zu empören? Solange es keine legitimierte Weltregierung, mit schlagkräftiger Weltpolizei gibt, solange ist auch alles Gerede von internationalen Menschenrechten etc. nur eine Farce, eine gefährliche Illusion.

Faschismus beginnt mit Zensur!

Zensur, Feindbilder, restriktive Maßnahmen, marodierende Banden, die sich im Recht glauben, weil sie die angesagte Ideologie vertreten, DAS sind die Merkmale des Faschismus, nicht die freie, offene Diskussion, auch über „belastete“ Themen.

Nonkonformistisch

Welche Formen von Zensur gibt es?

Neben den direkten Eingriffen des Staates, teils auf gesetzlicher Grundlage, teils auf Basis per Gesetz beauftragter, mehr oder weniger willkürlich agierender Behörden und Unternehmen (z. B. beim Netzdurchsetzungsgesetz, das die Gewaltenteilung aushebelt) gibt es auch noch andere Formen der Zensur, die viel gefährlicher sind, weil sie einschleichend und sanft daherkommen, mit sozialem und moralischem Druck arbeiten, die alltäglichen Sprachgewohnheiten verändern, gehirnwäscheartig unser Denken manipulieren.

Alleine die Liste der Worte, die man aus irgendwelchen merkwürdigen Gründen nicht mehr verwenden soll, wird immer länger.

Zensur

Einst von George Orwell als Neusprech beschrieben und vorhergesagt, hat es sich längst unter verschiedenen Namen etabliert: Politische Korrektheit, Pressekodex, Genderisierung, Antidiskriminierung.

Es läuft immer auf das gleiche hinaus: Unverhohlen setzt man die Manipulation der öffentlichen Meinung, des Denkens an sich, über die Information, über die Fakten, ÜBER DIE WAHRHEIT! Das „korrekte Denken“ wird zur neuen, gefühlten Wahrheit.

Wenn aber immer mehr Worte verboten, gegendert, manipuliert und umgedeutet werden, dann ist das, als wenn beim Scrabble immer mehr Buchstaben aus dem Spiel genommen werden. Bis man letztlich nur noch ganz bestimmte Dinge sagen und schreiben kann. Die Sprache und das Denken verarmen. Der Käfig der Sprachregulierungen wird immer enger, bis er schließlich auch noch das letzte bisschen restaktiver Hirnsubstanz erstickt hat.

Free your Mind: Befreit Euch aus dem erstickenden Korsett der Sprachregulierer. Befreit Euch von staatlichen Zensurversuchen. Unterstützt unabhängige Plattformen wie FischundFleisch, all die kleinen gallischen Dörfer, die noch Widerstand gegen den Imperialismus der zeitgeistigen Ignoranz leisten.




Alle Bilder zum Thema Zensur habe ich auch bei Flickr hochgeladen:
https://www.flickr.com/photos/pommes-leibowitz/albums/72157695902636452


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Sonntag, 1. Juli 2018
Wir schaffen das!
Ein paar Bild- und Wort-Assoziationen zum Thema schaffen und scheitern. Zu alten und neuen Ereignissen. Nicht nur beim Fußball kann man scheitern, auch in der Politik, und vor allem beim Schreiben und Bloggen. Wer Sinn sucht, leidet an sinnloser Sinnsucht!

Merkel und Özil

Wer sich viel vornimmt, der kann auch scheitern. Aber im Gegensatz zur Nationalmannschaft scheitert Merkel nicht alleine.

Aber egal, Hauptsache alle haben sich lieb!


Merkel, Özil und Erdogan

Und überhaupt, irgendwer schafft es immer. Des einen Leid, des anderen Freud. Schaffer und Geschaffte.

Erdogan Özil Gündogan


Lyrik des Schaffens und Scheiterns

Wir schaffen das, koste es was es wolle!

Wollen wir?

Man kann alles schaffen, wenn man will!

Will man alles schaffen?

Schaffensdrang

Andrang

Drängelei

Drangsalieren

Schaffenskrise?!

Schaffner der herangeschafften Schaffer

WirtSchaft - Das Wir schafft

Shuttle schiffen nach Schaffensland

Schatten des Schaffens

Schaufelradbagger im Shuffle-Modus schaffen Schaffer heran.

Die schaffen (für) uns.

Schaffen wir das,

oder die uns?

Schaffen wir es, uns abzuschaffen?

Was für eine schaffige Schaffenschande!


Schaffner schaffen Schafliebhaber heran

Wölfe und Schafe

Der Mensch ist des Menschen Wolf

Wer sind die Schafe?

Wolf im Schafspelz

Wollen wir Wölfe?

Wer sind die Wölfe?

Schaffer und Geschaffte

Irgendwer schafft es immer!


Alle neuen und alten Bilder von Pommes kann man bei Flickr gucken:
https://www.flickr.com/pommes-leibowitz


Viele neue und alte Kolumnen von Pommes findet man bei
FischundFleisch


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Montag, 25. Juni 2018
Herkunft, Bedeutungswandel und aktueller Bezug des Affensymbols
Die drei, gelegentlich auch vier Affen gehören wohl zu den ältesten Motiven und Metaphern der Weltgeschichte. Gleichzeitig auch den meistparodierten und sind dabei ständigem Bedeutungswandel unterworfen. Aber wo stammen sie eigentlich her?


3 Affen Cartoon


Herkunft

Der aus Japan stammende Spruch „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ (mizaru, kikazaru, iwazaru) basiert offenkundig auf einem Lehrsatz des Konfuzius:

Was nicht dem Gesetz der Schönheit (angemessenes Verhalten, Ordnung, Sitte) entspricht, darauf schaue nicht;
was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf höre nicht;
was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, davon rede nicht;
was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, das tue nicht.


Einmal mehr erweisen sich die Japaner als Meister der Kurzfassung, der Konzentration auf das Wesentliche. Der vierte Begriff wird aus pragmatischen Gründen meist weggelassen, denn mal ehrlich: Nix Böses tun, wo bleibt da der Spaß? ;-)

Woher aber kommen nun die Affen?

Das im Japanischen die Verneinung einer Tätigkeit ausdrückende Anhängsel „zaru“ ist klangleich mit dem japanischen Wort für Affe (saru). So entstanden aus den drei verneinten Tätigkeiten gleichzeitig Affennamen (Mizaru, Kikazaru, Iwazaru) und durch phonetische Wandlung schließlich Minai, Kikanai und Iwanai, 3 mythologische Affenfiguren, die im heutigen Japan vor allem als Glücksbringer fungieren.

Eine alte Sage erzählt, dass die drei Affen den Göttern Berichte über die Menschheit liefern sollten. Aufgrund eines Abwehrzaubers sehen, hören und sprechen sie aber nichts Böses. Sehr praktisch für die Menschheit!

Zeugen der Sünde

Unfreiwilige Zeugen

Anhand einer Reihe von satirischen Szenen/Bildern aus dem Alltag (wie oben) soll im Anschluss dokumentiert werden, wie sich das Motiv der drei (oder vier) Affen aus Asien immer wieder in unserem täglichen Leben wiederspiegelt. Vorerst aber zum

Bedeutungswandel

Im Laufe der Jahrhunderte haben die drei Affen wiederholt eine Bedeutungsumkehr erfahren. Vergleichbar ist das z. B. mit der "platonischen Liebe", die im abendländischen Christentum für die nicht-körperliche Liebe zwischen zwei Menschen steht, im alten Griechenland aber eigentlich die durchaus körperliche Liebe von Lehrern zu ihren minderjährigen männlichen Schülern meinte. Heutzutage, wo man seinen Hintern nur noch im Gefängnis, nicht aber in der Schule hinhalten muss, ein absolutes No-Go. Bei den alten Griechen aber (laut Platon) die höchste, reinste und schönste Form der Liebe. Zumindest für knabenorientierte Lehrer ;)

Und so werden halt kulturen-überdauernde Traditionen, Sprüche und Erkenntnisse in jeder neuen Epoche an die jeweils herrschende Moral und Religion angepasst, und jede Epoche, egal ob Monarchie, Diktatur, Demokratie oder Gottesstaat, ist dabei überzeugt, den eigentlichen und endgültigen "Stein der Weisheit" zu besitzen, moralisch über ihren Vorgängern zu stehen, und ihre zeitgeistige Moral kurzerhand zur Ethik erklären zu können. Was dann durch selektiv ausgewählte Fragmente aus Geschichte und Philosophie von eifrig-folgsamen Geisteswissenschaftlern auch brav „belegt“ wird. In jeder Epoche!

So erging es auch den drei bzw. vier Affen, die ursprünglich eben einfach nur recht spröde, buddhistische Regeln für eine sittsame Lebensführung waren. Wobei im Chinesischen das Schriftzeichen für "Schönheit" und "Sittsamkeit" interessanter Weise das gleiche ist. Bei uns, insbesondere in protestantisch und calvinistisch geprägten Kulturen, geht man ja eher davon aus, dass sich das gegenseitig ausschließt, Schönheit und Sittsamkeit. Wie auch immer, diese Regeln waren also (noch mal wiederholt für die Kurzzeitgedächtnisakrobaten des Social Media):

Was nicht schön (bzw. sittsam) ist, das schaue nicht an,
was nicht schön (bzw. sittsam) ist, das höre nicht an (Heavy Metal Fans können bei solcher Intoleranz nur noch Headbangen),
was nicht schön ist, darüber rede nicht usw.


Man soll sich also von nichts "Schlechtem" leiten lassen und alles vermeiden, was die Seele "beflecken" könnte.

Die erste Bedeutungsumkehr geschah jetzt bei den Japanern,

die diese buddhistische Regel importiert hatten. Aus Gründen der Praktikabilität ließ man den 4. Affen meist weg (nichts Schlechtes tun zu wollen ist, wie jeder erfolgs- oder spaßorientierte moderne Mensch weiß, außerordentlich hinderlich und einschränkend), und die anderen drei verklärte man zu mythologischen Figuren, deren göttlicher Auftrag es ist, das Tun der Menschen zu dokumentieren. Prinzip Überwachungsstaat. Aufgrund eines Abwehrzaubers sehen, hören und sagen sie aber nichts, und das ist natürlich ziemlich praktisch für die Menschheit, weshalb die pragmatischen Japaner die Affen auch kurzerhand zu Glückbringern erklärten (Motto: "hoffentlich merkt's keiner" ;)).

Eine weitere Bedeutungsumkehr erfuhren die drei Affen dann in der europäischen Kultur. Es sei dahingestellt, ob es nun daran lag, dass Affen in unserer Tradition (im Gegensatz zur asiatischen) eher für Dummheit als für Weisheit stehen, oder daran, dass im Zeitalter der Aufklärung und Demokratisierung, als diese Affen importiert wurden, Sittsamkeit eher im "rechten Tun" als im "Nicht-Tun" gesehen wurde (es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es). Jedenfalls kehrte sich die Bedeutung erneut völlig um:

Nur Affen schauen weg, wenn Böses passiert. Die drei Affen wurden zu einem Symbol für mangelnde Zivilcourage.


Zur Zeit kann man, im Gefolge des Siegeszugs der politischen Korrektheit, eine Rückkehr zur ursprünglichen Bedeutung der Affen erkennen. Fakten, die nicht ins ideologisch-moralische Konzept passen, sieht und hört man einfach nicht. Man redet und schreibt auch nicht darüber (befleckt die Seele, nur böse Menschen tun das), und ehe man etwas tut, was als böse aufgefasst werden könnte, tut man lieber gar nichts. Wer nichts tut, der sündigt nicht!?

Viele weitere satirische Bilder zum Thema findet Ihr auf Fisch+Fleisch und natürlich auf meinem Flickr-Account.

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