Mittwoch, 21. Februar 2018
Frauenquote als Dogma
In einer politisch korrekten, auf Tempo 30 reduzierten Welt, mit veganer Ernährung, gesetzlich reguliertem Flirt und Sex, bedingungslosem Konformitätszwang, allgegenwärtiger moralischer Empörung und nicht abtragbarer Erbsünde ist für Weiße Männer kein Platz mehr. Man zieht sich zurück. Sollen doch die Frauen den Karren alleine vor die Wand fahren.

Rückzug der Männer

Aber jetzt mal ernsthaft. Natürlich sollte jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten optimal gefördert werden, die gleichen Chancen wie andere erhalten, und einen Lebensweg seiner Wahl einschlagen können. Aber was hat das mit Mann und Frau zu tun? Und mit Quoten? Menschen sind nun einmal unterschiedlich. Innerhalb eines Geschlechts divergieren sie weit mehr als zwischen den Geschlechtern.

Stellt Euch eine Schulklasse vor, bei der 90 Prozent das Abschlussziel nicht erreichen werden (Fack ju Göhte). Kann man das Problem wirklich beheben, indem eine Quote bestimmt, dass in jedem Fall 50 Prozent das Abschlussziel erreichen MÜSSEN? Nichts anderes sind Frauenquoten.

Die Denkfehler des Quotenregelungs-Dogmas:

1. Es wird unterstellt, auf Basis weder wissenschaftlich noch statistisch belegbarer Annahmen, dass es für die Gesellschaft vorteilhaft wäre, wenn jede Position repräsentativ zum gesellschaftlichen Spektrum, primär dem von Mann und Frau, besetzt würde. Zu Ende gedacht hieße das: Egal ob die Leute können bzw. überhaupt wollen, wir brauchen in jeder Position soundso viele Männer und Frauen, Homos und Heteros, länger- und kurzfristiger Hiergewesene, praktisch und theoretisch Begabte, Alte und Junge, Hübsche und Hässliche, Extro- und Introvertierte.

Im Grunde genommen stellt man die Arbeitsteilung an sich in Frage, also die Basis unserer Zivilisation, den Grundstein von Fortschritt und Wohlstand. Macht aber nix, es ist aus ideologischen Gründen unbedingt erforderlich. Besser gestern als heute:

weiblicher Che

2. Es wird unterstellt, dass Mann und Frau gleich wären, wenn nur die entsprechenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen würden. Alternativ wird unterstellt, dass sie eben nicht gleich wären, und deshalb um jeden Preis in jeder Position ergänzend vertreten sein müssten. Klammheimlich wird auch unterstellt, dass Frauen ja eigentlich die besseren Menschen seien, und schon von daher unbedingt die Fäden in der Hand haben müssten.

Im Grund genommen weiß man gar nicht so genau, was man eigentlich unterstellt, man weiß nur, dass man es um jeden Preis umsetzen muss, koste es was es wolle. Da lässt man sich von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Biologie und Psychologie, von praktischen Erfordernissen ganz zu schweigen, gar nicht erst verwirren.

Ampelfrauchen

3. Es wird unterstellt, dass Personalchefs alle doof sind. Die stellen Leute ein, nur weil sie Männer sind, und lehnen fantastische Bewerberinnen ab, nur weil sie Frauen sind. Die verzichten also vorsätzlich auf für die Firma einträgliches Humankapital. Ein erbarmungswürdiger Zustand, der deutlich macht, dass es höchste Zeit wird, dass die politische Linke diesen tumben Bizness-Leuten mal erklärt, wie man Geschäfte macht!

4. Es wird unterstellt, dass genauso viele Frauen wie Männer Karriere machen, technische Berufe ergreifen, Männerdomänen erobern wollen. Aber ist das tatsächlich so? Wenn dem nämlich nicht so ist, dann sorgen Quoten zwangsläufig dafür, dass womöglich gerade die Falschen in Positionen gehoben werden, nicht nur, was die Qualifikation angeht, sondern eben auch was Eignung, Interesse und Einsatzfreude, und nicht zuletzt auch ethische Grundhaltung angeht. Dieses Problem kennt man auch schon von den Numerus-Clausus-Regelungen in der Medizin.

5. Es wird unterstellt, dass Männer in Politik und Geschäftsleben andere Verhaltensweisen als Frauen an den Tag legen würden. Dafür gibt es aber keinen Beleg, weder im Jetzt noch in der Geschichte. Politik und Geschäftsleben sind von Notwendigkeiten bestimmt, von Effektivität und Problemlösung. Wer diese Effektivität nicht liefern kann, geht unter, als Firma, als Nation, und auch als Entscheidungsträger.

Das Patriarchat löste das Matriarchat ab, weil es effektiver war. Weil es die richtigen Antworten auf die Anforderungen der damaligen Zeit hatte. Die Matriarchate waren nicht konkurrenzfähig und gingen unter. Später gab es dann auch im sogenannten Patriarchat wieder weibliche Anführer, Priesterinnen, Königinnen. Und heute Politikerinnen und Geschäftsfrauen. Deren Handlungen unterscheiden sich aber in NICHTS von denen männlicher Herrscher und Entscheidungsträger. Diese Frauen führten Kriege, ermordeten politische Gegner, trafen skrupellose Entscheidungen - zum eigenen Wohl und oft auch dem Wohl des Volkes (der Firma), denn das Eine schließt das Andere nicht aus.

6. Es wird unterstellt, dass Karriere der Inbegriff des Glücks sei, so, als gäbe es keine anderen Möglichkeiten, sein Leben sinnvoll zu verbringen. Karrierepositionen sind aber naturgemäß begrenzt. Mangel herrscht in der Gesellschaft vielmehr gerade bei von Frauen ausgeübten Tätigkeiten: Pflegeberufe, Kindererziehung, soziales Engagement. Sollte man nicht vielmehr dafür sorgen, dass mehr Männer in diese weiblichen Domänen vordringen als andersherum? Sollte nicht statt sinnloser, ja kontraproduktiver Quoten im Hochleistungs- und Wettbewerbsbereich, vielmehr die Basis unserer Gesellschaft gestärkt werden: Die soziale Tätigkeit? Durch gesteigertes Ansehen dieser Tätigkeiten und soweit möglich auch durch höhere Löhne?

7. Es wird unterstellt, dass Frauen in modernen, westlichen Gesellschaften einseitig benachteiligt wären. Das ist aber eine extrem selektive Sichtweise. In vielen Tätigkeiten dominieren die Frauen, z. B. im PR Bereich, bei den Videobloggern, in der Modebranche, im sprachlichen Zweig (Übersetzer, Dolmetscher usw.). Und viele Türen öffnen sich für Frauen deutlich leichter als für Männer. Mädchen bekommen z. B. viel leichter Praktikanten- und Assistentenstellen in höherqualifizierten Berufen, Architekturbüros, Mode- , Design-, Werbe- und PR-Agenturen, Anwalts- und Arztpraxen. Eine Erfahrung, die JEDER junge Mann während seiner Ausbildung machen musste. Später mag er durch Qualifikation und harte Arbeit diese weiblichen Quereinsteiger überholen, aber leicht gemacht hat man es ihm nicht. Jungs und Männer bekommen nicht so ohne weiteres Assistentenstellen bei irgendwelchen Koryphäen, weder bei männlichen noch bei weiblichen solchen.

Und was ist eigentlich mit dem Model-Job? Quote für Männer? Längst überfällig. Wo man hinschaut überbezahlte weibliche Models – teilweise mit extrem nervigen Stimmen! Wir brauchen unbedingt männlichen Ersatz für Heidi Klum.

Und im Pornobereich? Männerquote? Ach, ich vergaß, Pornos sind ja sexistisch und beuten die hochbezahlten Darstellerinnen auf fieseste Weise aus. Andererseits: Wäre das nicht gerade ein Grund für eine Männerquote? Damit AUCH die Männer endlich mal ganz fies ausgebeutet werden!? Sexuell und so?

Eine Quote für Männer in frauendominierten Bereichen scheint längst überfällig und ist mindestens so wichtig/überflüssig wie Frauenquoten.

Schlusswort:

Wir leben in großem Wohlstand. Wir genießen persönlichen Schutz durch einen Rechtsstaat, der wiederum Schutz durch militärische Bündnisse genießt. Wir werden, dank hochentwickelter Medizin, älter denn je. Wir haben technologische Erleichterungen jeder Art. Frauen und Minderheiten genießen in unserer Gesellschaft einen speziellen Schutz wie in KEINER anderen Gesellschaft auf der Welt. Wir haben die Freiheit, auch aberwitzigste Dinge (wie z. B. die Frauenquote) zu ersinnen und diese öffentlich zu fordern, ohne dafür verbrannt oder an den Pranger gestellt zu werden.

Das ALLES wurde primär von Männern im Rahmen männlich dominierter Herrschaftsstrukturen geschaffen. Was genau hat das böse Patriarchat eigentlich falsch gemacht?

Natürlich kann man diese Gesellschaft immer noch weiterentwickeln. Und natürlich mögen insbesondere Frauen dabei Potential entfalten, das diese Gesellschaft positiv verändert. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass mit quasi-religiösem Eifer vorangetriebene Dogmen, wie die politische Korrektheit, die fanatische Genderisierung und Sprachumkrempelung, die ultimative Quotisierung jeden Personals, die allgegenwärtige Gedankenkontrolle und Sexismushatz, die Rückkehr von Hexenjagden und Pranger (MeToo), der Wahn, das menschliche Leben komplett, bis in die Sexualität und Ernährung hinein zu regeln (Sexismus, Veganismus, Plastiktütenphobie), dass all diese eher besorgniserregenden Vorgänge unsere Gesellschaft voranbringen werden?

Das erinnert doch alles eher an Mittelalter und Inquisition, an religiösen Wahn, Doppelmoral und Bigotterie. Tägliche Glaubensbekenntnisse, Ketzerprozesse und dem „wahren Glauben“ unterworfene Sprache, Kunst und Wissenschaft. Mit fatalen Folgen.

Diesen und weitere Beiträge von Kolumnist Pommes Leibowitz findet Ihr auch auf FischundFleisch

Alle Karikaturen und Cartoons von Pommes findet Ihr bei Flickr.com/pommes-leibowitz

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Sonntag, 11. Februar 2018
Ein Nachruf auf Martin Schulz!
Da Herr Schulz nicht gestorben, sondern nur von Parteivorsitz und eventuellem Ministeramt zurückgetreten ist, brauche ich hier kein Blatt vor den Mund zu nehmen: Ich wage eine rein subjektive Bestandsaufnahme.

In der Presse ist vom "tiefen Fall des Ikarus" die Rede. Ich würde eher vom herbeigeredeten Aufstieg eines von Anfang an erkenntlichen Rohrkrepierers sprechen.

Martin Schulz Karikatur

Zunächst ein kleiner Abriss der Ereignisse:

1. Schulz fliegt aus Brüssel raus! Eine fast einmalige Leistung, die nehmen und behalten sonst JEDEN.

2. Letztes Zitat in Brüssel: Ich bin Europäer!

3. Schulz kommt nach Deutschland und beschließt spontan, Kanzler zu werden. Als Europäer?

4. Er überredet Gabriel ihm den SPD-Vorstand abzutreten - als Tausch für den Außenminister-Posten - Außenminister Steinmeier wird zum Bundespräsident weggelobt.

5. Die SPD stimmt dem mit 100 % zu, das gab es nicht mal in der DDR.

6. Schulz schwört öffentlich und wiederholt: Es wird NIE WIEDER eine Koalition mit Merkel geben!

7. Er verliert Wahl mit historischen Niederlage-Werten.

8. Er eiert ein bisschen rum, einigt sich dann aber doch mit Merkel, zwecks Erhalt der Pfründe für die SPD.

9. Er gibt hinterm Rücken der SPD den Vorsitz an Andrea Nahles ab. Kungelei par excellence!

10. ER will stattdessen Außenminister werden. Gabriel erfährt davon aus der Zeitung.

11. Andrea Nahles, politisch selbst am Abgrund, plappert vom Außnahme-Politiker Schulz. Klar, es gibt auch negative Ausnahmeerscheinungen.

12. Gabriel - the Stinkefinger - ist nicht so handzahm wie der ebenso über Nacht abgesetzte Schäuble. Er trommelt Journalisten zusammen, gibt bekannt, er schmeißt alle Außenminister-Termine hin und entlarvt Schulz als verlogen und unmoralisch. Sinngemäß!

13. Mehrere SPD-Landesverbände stellen Schulz Ultimatum.

14. Schulz tritt endlich zurück. Andrea Nahles spricht von Größe ;-)


Meine nachfolgenden Thesen orientieren sich in Niveau, Faktenresistenz, Populismus und Polemik an Martin Schulz. Ehre wem Ehre gebürt:

Wie verzweifelt muss eine Partei sein, die einen Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten macht, eine Person bar jeder Qualifikation, deren Leben jenseits der irrealen Politikwelt ein einziges Scheitern darstellt: Schulabbrecher, Alkoholiker, gescheiterter Unternehmer, gescheiterter Bürgermeister, und letztlich sogar in Brüssel weggemobbter Schwätzer, wo doch Brüssel eigentlich schon die Endstation für abgehalfterte Politiker ist, die sonst zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Manchmal kommen sie wieder, nicht nur in Horrorfilmen.

Wer hebt solche Leute nach oben? Der Wähler sicherlich nicht. Rückhalt im Volk hatte ein Schulz nie. Volksnähe erst recht nicht. Er verstand sich vor allem auf inhaltsbefreiten Parteipolit-Schwätz, mit dem er sich parteiintern profilieren konnte, und nebenher auch persönlich zu bereichern vermochte. Die Parteien sorgen eben für ihre treuen Soldaten, mit zum Teil aberwitzigen (unsinnigen) Posten und Entlohnungen, die jeder Beschreibung spotten. Das alles kann bestenfalls als Realsatire gesehen und verstanden werden. Gewisse hochstaplerische Fähigkeiten und einen gesunden Sinn für den persönlichen Vorteil kann man Schulz also zumindest nicht absprechen.

Aber was qualifiziert jemanden, der nichts außer einer Buchhändlerlehre vorzuweisen hat, der im Leben wiederholt gescheitert ist, sich nur und ausschließlich in der Politik als Schwätzer bewährt hat, was qualifiziert so eine Person für das Amt des Kanzlers? Schon Merkels völlige Ahnungslosigkeit in Sachfragen ist ein heikles Problem. Immerhin aber verfügt Angela Merkel als Physikerin über einen geschulten Verstand und war von jeher eine geschickte Machtstrategin. Worüber aber verfügt ein Martin Schulz?

Der Pressehype, der um seine Person gemacht wurde, zeichnet genaugenommen ein beunruhigendes Bild der deutschen Presselandschaft, die offenbar weitgehend von politischen Parteien kontrolliert ist. Wie war es nur möglich, so eine Nullnummer als Hoffnung der SPD zu preisen? Mut der Verzweiflung einer einstigen Volkspartei, die längst den Kontakt zur Realität, und noch schlimmer, zum Wähler verloren hat?

Schulzes Populismus war so triefend, so albern und hochstaplerisch, dass selbst eingefleischteste SPD-Anhänger diesem Unfug nicht mehr trauen konnten und zunehmend der Partei den Rücken zu kehrten. Innerlich haben sich inzwischen wohl noch weit mehr Leute von der SPD verabschiedet, nur halt noch nicht den letzten Schritt gewagt. Esoteriker unter den Genossen wanderten längst zu den Grünen ab, andere (und ich vermeide hier ein Adjektiv) wandten sich der AfD zu. Und viele wählten, womöglich trotz noch bestehender SPD-Mitgliedschaft, eine nicht weniger abgehalfterte CDU inklusive ebenso abgehalfterter Angela Merkel, primär um einen Kanzler Schulz zu verhindern. Die klassische Wahl des kleineren Übels. Langsamer statt schneller Untergang. Man klammert sich als Wähler an jeden Strohhalm.

Wie soll es weitergehen mit diesem verrückt gewordenen Land und seinen weitgehendst völlig unqualifizierten „Berufspolitikern“?

Mein spezieller Dank geht an Finis Noxx für zahlreiche Anregungen zum Thema.


Erstveröffentlicht auf Fisch+Fleisch!
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Dienstag, 26. Dezember 2017
Die Mär vom lieben Weihnachtsmann
Einzig die Tatsache, dass ihm kaum jemand je in Natura begegnet ist, kann wohl die allgemeine Verklärung, ja Apotheose des sogenannten Weihnachtsmannes erklären. Folgt man aber seinen Spuren und versucht, Licht in das Dunkel seiner Herkunft zu bringen, so tun sich wahre Abgründe auf.

Eines gleich vorweg: Was soll man von einem wildfremden älteren Herrn halten, der sich an kleine Kinder heranmacht, sie auf seinen Schoß setzt und ihnen Süßigkeiten schenkt? - Genau!

Fahndung nach dem Weihnachtsmann

Beginnen wir also unsere Fahndung, decken wir Herkunft und Hintergründe dieser mysteriösen Person auf. Nur so können wir endlich zu einer objektiven Bewertung ihres Charakters und ihres Wirkens gelangen.

Ziemlich bald allerdings stellt man fest: Der Weihnachtsmann hat viele Väter und stammt aus vielen Orten. Was im Bereich der Biologie problematisch ist, ist im Bereich der Mythen und Legenden die Regel, nämlich die Kompilation von Figuren und mythologischen Ereignissen, das Verschmelzen mehrerer Personen zu einer, kombiniert mit dem wechselseitigen Abkupfern der diversen Motive aus Legenden, Sagen und Mythen aus aller Welt. Und da tut sich gerade beim Weihnachtsmann ein wahres Schreckenskabinett auf. Hier die Liste seine Väter und Vorfahren:

Der heilige Nikolaus: Eine reine Legendenfigur, ähnlich wie z. B. Robin Hood. Es gibt viele Überlieferungen, im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückt, aber keinerlei gerichtsfeste Belege. Im Vergleich mit den anderen Vaterschaftsanwärtern ist der Nikolaus aber immerhin nicht ganz unsympathisch - wenn man denn auf "Heilige" steht. Nachweislich an den Weihnachtsmann vererbt hat er allerdings nur die Angewohnheit, Geschenke zu machen. Alle weiteren Parallelen hat eher der moderne Nikolaus vom Weihnachtsmann übernommen als andersherum.

Das Christkind: Diese Kunstfigur muss man unbedingt differenzieren vom hilflos in der Krippe liegenden Jesuskind, das ja seinerzeit Geschenke bekam, nicht etwa verteilte. Und obwohl das Christkind vor allem in katholisch geprägten Gegenden tätig ist, schuld ist eigentlich Martin Luther. Aufgrund der generellen Ablehnung der Heiligenverehrung versuchte er, eine Alternative zum Nikolaus zu etablieren. Eben das Christkind, das aber - gerade in protestantischen Gegenden - in ersten Entwürfen des Weihnachtsmannes einen hartnäckigen Gegner fand.

Und nicht einmal dieses „Christkind“ ist über jeden Verdacht erhaben. Kommt es doch regelmäßig als hübsches, blondes Mädchen daher. War Jesus etwa ein Transvestit mit blondgefärbten Haaren?

Aber es kommt noch viel schlimmer, eine wahre Galerie des Schreckens: Krampus, Gryla, Beelzebub, Butzemann, Knecht Ruprecht, Tomte und die Nisser (Wichtel).

Alle diese Figuren verschmolzen schließlich zum heutigen Weihnachtsmann und bildeten eine Legierung mit weitgehend unbekannten Eigenschaften. Auch hier hatte bereits im Vorfeld eine Kompilation von Figuren und Mythen stattgefunden. Krampus, Beelzebub und Butzemann sind womöglich nur verschiedene Namen für ein teuflisches, vor allem auf die Bestrafung unartiger Menschenkinder spezialisiertes Wesen. In seiner menschlichsten Ausprägung war es der Knecht Ruprecht, der Typ mit der Rute. Alle aber waren sie - je nach Region – individuelle Begleiter des heiligen Nikolaus, die neben der himmlischen Belohnungsebene (in Form des Nikolaus) die höllische Bestrafungsebene personifizierten. Letztere oft mit weit mehr Intensität und Überzeugungskraft als erstere.

Knecht Ruprecht ist voll fies

Im Weihnachtsmann flossen diese beiden Ebenen dann zu einer Person zusammen. In älteren Darstellungen hat er noch die Rute dabei (fiel später der modernen Kinderschutz-Gesetzgebung zum Opfer), während mit der Bestückung seines Beutels natürlich nur die braven Kinder beglückt wurden. Wobei ja inzwischen nicht nur die Rute, sondern auch der Begriff "brav" modernen Vorstellungen geopfert wurde. Man ist ja schon dankbar, wenn die Kinder nicht das Haus in Brand setzen oder mit Drogen handeln. Und den Aufstand, wenn es keine Geschenke geben sollte, mag sich niemand vorstellen.

Der Weihnachtsmann ist eben unter anderem auch ein Kind des Zeitgeistes. Wie schon gesagt: Viele Väter!

Apropos Zeitgeist: Aus heutiger, datenschutzrechtlicher Sicht ist natürlich auch die Allwissenheit des Weihnachtsmannes ein nicht zu unterschätzendes Problem. Er kennt alle unsere Sünden und Missetaten und führt diese sensiblen Daten in einer Person und einem Ort zusammen.

Weihnachtsmanns Rache

Zurück zu den eher biologischen Vätern:

Sein heutiges Aussehen und seine magischen Fähigkeit verdankt der Weihnachtsmann primär seinen skandinavischen Vorfahren, den Nissen (Wichte), speziell dem Tomte. Tomte ist ein rund 4000 Jahre alter Kobold in der Gestalt eines alten Mannes, klein aber mit riesigem Bart. Er hat magische Fähigkeiten und ist verflixt launisch. Wer ihm aber mit Achtung und Bescheidenheit gegenübertritt und angemessene Gastfreundschaft gewährt (Kekse sind immer gut), dem kann er Wünsche erfüllen. Vergleichbare Figuren gibt es natürlich auch in deutschen Sagen und Märchen. Meist hausen sie zurückgezogen in irgendwelchen Bergen oder Wäldern (Schatzhauser, Rübezahl etc.), weshalb sie wohl, im Gegensatz zu Tomte, im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerieten.

Aus den Tomte-Legenden stammt dann auch der fliegende Schlitten, Grundrüstzeug des heutigen Weihnachtsmannes, denn wie sollte er sonst in die Kamine gelangen.

Last but not least, der wichtigste Vater überhaupt: Die Firma Coca Cola.

Sie ist verantwortlich für das endgültige Bild des heutigen Weihnachtsmannes und seine Verbreitung in die ganze Welt (spread your genes), und zwar durch eine Werbekampagne, die 1931 begann und bis heute anhält.

Am Entscheidensten waren dabei die Coca-Cola-Markenfarben Rot und Weiß. Diverse vorangegangene, regionale Inkarnationen des Weihnachtsmannes waren noch primär naturfarben gekleidet (Leder, Pelz und ungebleichte Wolle) oder, im Falle von Väterchen Frost aus Russland, blau-weiß statt rot-weiß. Und der Nikolaus war natürlich in Purpur, wie sich das für einen Bischof gehört. Der moderne Weihnachtsmann ist demnach auch und vor allem ein Markenzeichen, ähnlich wie z. B. Meister Proper. Ist er womöglich ein Agent des amerikanischen Konsumkapitalismus. Viele Indizien sprechen dafür.

Und wieder eine erschreckende Erkenntnis, denn ist nicht der amerikanische Kapitalismus der „Große Satan“, wie Sozialisten und Islamisten in unheilvoller Allianz im Gleichton verkünden?

Einmal mehr zeigte sich: Die Suche nach der Wahrheit lohnt nicht, ersetzt sie doch in der Regel nur die angenehme Illusion durch schmerzhafte Tatsachen, die eh keiner wissen will. Spulen wir zurück auf Anfang. Warum schlafende Hunde wecken, wenn Tradition, Glaube und Religion - gegebenenfalls chemisch bzw. durch geeignete Stoffe unterstützt - das Leben viel angenehmer machen. In diesem Sinne ...

Kiffender Weihnachtsmann


Erstveröffentlicht auf Fisch+Fleisch

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